Die Route entlang der Pazifikküste bis Guadalajara
Die Route entlang der Pazifikküste bis Guadalajara

Von La Paz aus ging es per Fähre (Seelenverkäufer) nach Topolobambo (bei Los Mochis) und dann nach El Fuerte. Hier stiegen wir in den Zug und sind per Bahn nach Creel gefahren durch die Gegend um den Copper Canyon. Wieder zurück ging es entlang der Pazifikküste gen Süden, ein paar mehrtägige Aufenthalte an wunderschönen Stellen am Pazifik. Irgendwann mussten wir mit Herzblut die Küste verlassen und gen Inland fahren.

 

10.02.2014 Schon vor einigen Tagen haben wir beschlossen, mit der Fähre nicht gleich von La Paz nach Mazatlan /Festlands-Mexiko zu fahren, sondern mit Annusseks gemeinsam nach Topolobambo über zu setzen, um dann den Copper-Canyon während einer Bahnfahrt zu erkunden. Auf einem alten Seelenverkäufer namens „Fähre“ verbringen wir einen wunderbaren Abend mit schönem Sonnenuntergang. Da wir uns mittlerweile nicht mehr so unsicher in Mexiko fühlen, wie noch zu Beginn der Tour, wählen wir sehr spät in der Nacht eine Seitenstraße, nicht weit entfernt vom Hafen, für die Übernachtung aus.

 

12.02.2014 Wir stehen auf dem Bahnsteig von El Fuerte, und warten auf den Zug, der uns nach Creel, dem Hauptort, der dem Copper Canyon am nächsten liegt. Ursprünglich wollten wir von Mochis aus fahren, aber der dortige Campingplatz erweist sich als derart trostlos, dass wir die ca. 80 Kilometer nach Fuerte fahren, und von dort den Bahnhof, mitten „in der Pampa“, umgeben von ein paar kleinen Gehöften, ansteuern. Gleich beim Aussteigen ruft es von der anderen Straßenseite herüber: „ Camping here, come, come!!“ Für ganze 200 Pesetas stehen wir schließlich für 3 Nächte auf einem kleinen, begrünten Areal hinter dem Haus, und verbringen dort die erste Nacht, bevor wir aufbrechen.

 

Kurz bevor der Zug kommt, tauchen auch die Annusseks auf, auch ihnen war der Campingplatz in Mochis zu öde erschienen, aber sie landeten schließlich auf dem Stellplatz in der Stadt. Wir fahren erster Klasse, der einzige Zug, der heute fährt. Ausgestattet mit Rucksack und Fotoausrüstung geht es los. Die ersten Kilometer geht es noch durch relativ flaches, langweiliges Gelände, aber dann geht es in die Berge, immer am Fluss entlang, an Stauseen entlang, weit und breit keine Straße, keine Menschen, nur grünes Buschwerk, pinkfarben blühende Bäume. Es ist ein „Blümchen-Pflücker-Zug. Zwei Diesel-Loks schnaufen voran, bemüht, den Zug irgendwie in Gang zu halten. Die Strecke, Baujahr 1960 ist nicht nur in landschaftlicher Hinsicht Atem beraubend. Die Gleise laufen über schmalste Schotterbetten, links und rechts fällt das Gelände steil ab. Es geht über einige Brücken, wie man sie sonst nur aus Western geht, extrem hoch, extrem schmal, extrem fragil an zu schauen. Wer da nicht schwindelfrei ist??? Der hinterste Wagon hat eine offene Plattform, und Hartmut steht, wie angegossen, mit Hut und Fotoausrüstung fast die ganze Zeit dort und macht ein Bild nach dem anderen. Wir sind begeistert von der Landschaft und von der Art und Weise, wie man hier Sight Seeing machen kann. Kurz vor Creel gibt es einen längeren Halt. Hier ist die einzige Gelegenheit, direkt in den Copper Canyon schauen zu können. Der Ausblick ist beeindruckend. Klar zu erkennen ist, dass der Canyon viel breiter, als der Grand Canyon ist, und tiefer sowieso. Von hier aus kann man Exkursionen in den Canyon und in die Seitentäler unternehmen, alle mit Führer, denn hier ist „Narco-Land“. Dass wir in einer unsicheren Gegend unterwegs sind, zeigt sich auch daran, dass der Zug von schwer bewaffnetem Sicherheitspersonal begleitet wird.

 

Am späten Nachmittag kommen wir in Creel an, und werden sogleich von den hier lebenden Tara-Humara Indianerfrauen und ihren Kindern umringt. Sie bieten wunderbar geflochtene Körbe in bunten Farben, Größen und Formen an. Aber wir setzen uns in Richtung des ausgesuchten Hotels in Bewegung. Wir landen in einem Innenhof, um den herum sich die hübschen, im bunten mexikanischen Stil gehaltenen Zimmer befinden. Das Abendessen wird zum Desaster. Während eine Reisegruppe vom nahe gelegenen Budget-Hotel sich schon in Erwartung eines Abendessens die Nase an der Scheibe des Speisesaales plattdrückt, relaxen wir noch ahnungslos in unseren Zimmern. Schließlich gibt es Abendessen um 7.30, so steht zumindest auf der Tafel. Als wir endlich erscheinen, ist „ alles aufgefressen, von fremden Leuten hier….“.Wir sind angeblich eine Stunde zu spät erschienen. ich bekomme noch zwei Löffel Kartoffelbrei, zwei Löffel Spagetti und einen Löffel Hühnchenragout, der Rest der Truppe wird endgültig auf Diät gesetzt, jeder drei Löffel Spagetti, und als Entschädigung warme, labbrige, ungesalzene Tortillas. Na denn, guten Appetit! Statt einer Entschuldigung bekommen wir ein eisernes freundliches Lächeln, aber wir sind halt nicht mehr in den USA, dem Land mit der supersized Cola und den übervollen Tellern!

 

13.02.2014 Heute, am Vormittag machen wir einen ausgiebigen Bummel über den belebten Marktplatz von Creel. Es scheint so, als ob heute staatliche Leistungen an die Indios ausgezahlt werden, denn es hat sich eine lange Schlange vor dem lokalen Büro gebildet. Auf dem Markt selbst werden viele secon hand Klamotten verkauft, dazu etwas Obst, Gemüse und Käse dazwischen die unvermeidlichen Tortilla-Stände. Die Frauen tragen lange bunte Röcke, Blusen und Kopftücher, dazu Sandalen aus Kautschuk und Bamwollbändern, so ähnlich sie Zehenlatschen. Die Kinder werden, in Tücher gehüllt, auf dem Rücken getragen. Vielen von ihnen sieht man die Armut an. Schon die kleinsten bekommen nur mal ein Stück Apfelsine oder ein Häppchen Tortilla zu geschoben. Es sind ausgesprochen ernste Menschen, auch die Kinder lachen nicht. Diese Menschen müssen sich in der heutigen Zeit mit der Vernichtung ihres Lebensraumes, Alkoholismus und Krankheiten und hoher Kindersterblichkeit auseinander setzen. Sie sind berühmte Langstreckenläufer, die heute einen eigenen Marathon bestreiten, bei dem sie auf Canyonpfaden einen Hundert Kilometer Lauf absolvieren. Ihre Läufe bei Ultra-Marathos in den USA sind legendär. Noch heute feiern sie ihre eigenen Rituale und konnten sich bisher ihre Lebensweise einigermaßen erhalten. Nachdem ich noch drei geflochtene Dosen und Körbchen erstanden habe, geht auch schon die Rückreise wieder los. Wir sind alle etwas müde, und dösen immer mal wieder vor uns hin. Spät am Abend klettern wir aus dem Zug, nehmen noch eine warme Dusche, und dann nichts wie ins Bett. Die Hähne und Hunde, die uns vorgestern beim einschlafen gehindert haben, verhalten sich heute Abend absolut Touristenfreundlich. Ob sie ahnen, dass wir den privaten Stellplatz lobend auf unserer Web-Seite erwähnen werden?

16.02.2014 Seit zwei Tagen stehen wir auf dem Weg nach Mazatlan, einer Stadt mit einer wunderbaren Altstadt aus der Kolonialzeit, auf einem schönen Campingplatz direkt am nunmehr richtig warmen Meer, Badetemperatur 25 Grad Celsius! Der Platz ist zwar in mexikanischer Hand, aber pieksauber und besteht aus begrünten Stellplätzen und zwei überdachten Freiflächen mit Tischen und Stühlen. Ein großer Swimmingpool wird gerade gebaut, der Blick über das Wasser ist umwerfend. Beim Frühstück schon Delphine und Fregattenvögel in der Luft? Was will man mehr! Allerdings erneuert Hartmut gerade unsere Klettbänder an den Fenstern, und das macht dann nicht solchen Spaß. Auf jeden Fall geht es morgen nach Mazatlan, wo wir endlich „Eheringe“ aus Silber, zwei Baumwollblusen und eine Telefonkarte kaufen wollen.

 

17.02.2014 Gegen Mittag kommen wir auf dem Mar Rosa Trailer Park an, der direkt am Anfang von Mazatlan in der Hotelzone liegt. Hinter der hohen Mauer, die den Platz von der Straße abschirmt, wälzt sich der Verkehr in die Innenstadt. Wir checken für eine Nacht ein, zumal unsere „Reisefreunde“ Doris und Siegmund ebenfalls dort zu nächtigen gedenken. Auf mein Drängen hin besorgen wir nun endlich eine Prepaid – Karte für das Handy, denn oft ist die Qualität des Wi Fi’s so schlecht, dass an Telefonieren gar nicht zu denken ist. Mazatlan ist fest in der Hand amerikanischer „snowbirds“ (also Winterflüchtlinge) und Dauerbewohner. Die Lage ist traumhaft: eine geschwungene Bucht mit einem mindestens 10 Kilometer langer Sandstrand, davor kleine Inseln, zu denen Ausflugsboote fahren. Natürlich fehlen auch die vielen Hotelhochhäuser nicht, ein bisschen wie Costa Brava. Aber da es außer Baden noch ungezählte andere Freizeitmöglichkeiten gibt, hält sich die Menge der Strandläufer und Badenden in Grenzen.

 

Den Nachmittag verbringen wir im alten, gewachsenen Teil von Mazatlan und sind sehr angetan von den engen Gassen, den baumbestandenen kleinen Plätzen, wo man sitzen kann, mit einem Kaffee in der Hand, und dem bunten mexikanischen Leben zuschauen kann. Die mexikanischen Damen zeigen, was sie haben, und das ist nicht wenig. Aus einer könnte man oft glatt zwei machen. Aber die Männerwelt scheint das Runde und Pralle zu lieben. Wir besuchen noch die schöne Kathedrale aus dem 19. Jahrhundert, bevor wir am Hafen den Sonnenuntergang bewundern. Von links nach rechts fliegen große Schwärme von Seevögeln die Küste entlang, die eleganten Fregattvögel fliegen in V-Formation, in großer Höhe, ganz klassisch, die Pelikane eine Etage tiefer, einer hinter dem anderen, ein wunderbares Bild.

 

19.02.2014 Gestern haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, und verbringen nun den ersten von drei Tagen auf einem schönen Platz am Meer. Zum Platz gehören sehr schön gestaltete Ferienhäuschen, ein großer, pieksauberer Swimmingpool, Kokospalmen, sowie ein wunderbarer ,langer Sandstrand vor dem warmen Pazifik, in dem man jetzt stundenlang baden kann, ohne nach einiger Zeit zu frösteln.

 

Leider bietet der Platz keinen Schatten, aber der Wind vom Meer sorgt für angenehme Kühlung. Einen Tag später trudeln die Annusseks ein, die noch einen Tag in Mazatlan verbracht hatten. Wir nutzen die drei Tage zum Baden und zum Auswechseln von Klettbändern an den Fenstern (wir sind schließlich an der Grenze zum „Moskito-Land“). Einer von den Kanadiern (die als einzige außer uns den Platz bevölkern) näht auf seiner elektrischen Nähmaschine Drachen. Also, nichts wie ran an Speck, und fragen, ob man nicht……! Den ganzen nächsten Tag schneiden wir festes Netzmaterial aus dem Walmart zu, und ich nähe den ganzen Tag Klettbänder an die beiden, sich überlappenden Bahnen, die wir zum Schutz vor Fliegen und Mücken direkt oberhalb der Tür fest kletten. Aber dann nähe ich noch weiter: einen Sichtschutz für die Außenmarkise, wenn die Sonne sehr schräg steht, 12 Stofflappen an unser Moskitonetz für draußen, damit es bei Wind nicht hoch weht. Am Abend, als die Sonne im Meer versinkt, bin ich geschafft, und beschließe, nie wieder im Leben ein Moskitonetz zu nähen, einzufassen, zu reparieren; mal sehen, was auf dieser Reise an Näharbeiten noch auf mich zu kommt.

 

Unsere Nachbarn, kanadische „snowbirds“, haben einen kleinen Gemüsegarten angelegt, aus dem wir uns bedienen dürfen. Außerdem haben sie einen toten Ast mit vielen Astgabeln im Boden befestigt, und darauf viele, halbe Orangen aufgespießt. So kommen wir, meist am Morgen, zu unserem „Frühstücks-Fernsehen“, da sich die bunten Gesellen solche Genüsse nie entgehen lassen. Wir bekommen eine Vorahnung dessen, welche Vogelvielfalt uns in Mittel- und Südamerika begegnen wird.

 

Obwohl ich nach meinem „Näh-Tag“ gerne noch einen Tag hier geblieben wäre, ziehen wir weiter, und landen am Abend auf einem grünen, schattigen Areal mit vielen tropischen Bäumen, Sträuchern und Blumen, und mehreren Swimming-Pools, die von Campern und Hotelgästen gleichermaßen genutzt wird. Da es hier keinen Sandstrand gibt, muss der Pool herhalten. Die Tropen machen faul, weshalb wir außer Schwimmen, ein bisschen Lesen, und Abends in den angrenzenden Fischlokalen Essen gehen nicht viel zu Stande bringen. Da es hier kaum Freizeitzmöglichkeiten gibt, hält sich die Menge der Strandläufer und Badenden in Grenzen.

 

Dann erfahren wir von der Möglichkeit, einen Bootsausflug in das Feuchtgebiet zu machen, dass sich parallel zur bestimmt 30 Kilometer langen Bucht bis zum Fuß der Berge dahinter erstreckt. Es ist ein riesiges Naturschutzgebiet, in dem sich Vögel aller Art, Krokodile, Leguane und Wasserschildkröten aufhalten. Nachdem wir den Hin- und Rücktransport mit zwei Taxi organisiert haben, geht es, zusammen mit drei anderen Paaren zur Lagune .Die Fahrt wird traumhaft schön. Wir fahren durch dicht mit meterhohen Mangroven bestandene Wasserkanäle, und kommen uns zunächst wie im Spreewald vor. Der Bootsführer kennt natürlich die Plätze, an denen sich die Tiere aufhalten, und so wird , sobald Hartmut die Bilder bearbeitet hat, bald eine Vogel- und Reptilien-Menagerie die Website bevölkern!

Hier endet unsere "Pazifikfahrt". Wiir würden gerne weiter an der Küste entlangfahren, aber wegen der 12-monatigen Aufenthaltsdauer unseres Womos in Nordamerika müssen wir bis zum 24.03.2014 Mexiko verlassen. Wir fahren deshalb ins Zentralland von Mexiko und dann weiter nach Yukatan.